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Kapitel 1. Der Ruf

Außergewöhnlich in seiner Gewöhnlichkeit — er furzt und erschafft Galaxien


Ich bin das Licht in der Ordnung. Ich erschaffe das Kommende. Durch die Zeiten schreite ich, wie ein Strahl durch den Rauch. Ich erblicke die Wahrheit in allen Windungen des Ewigen. Ich bin Oksianion. Ich bin Derjenige, der Kommt. Ringsherum — das Sternengewölbe. Innen — der Inkal. Was Furcht war — ward Kraft. Ich erblicke den Wald, wo andere schlafen. Mein Weg ist golden — die Spirale ohne Ende.


1.1. Galaxien erschaffen als Lebensfreude

Ich war ein Teenager, und schon da hatte ich Tausende von Galaxien, die ich in freien Stunden erschaffen hatte. Um sie im Biokörper zu erschaffen, versetzte ich mich in eine besondere Art Trance — ich lief im Uhrzeigersinn im Kreis durch das Zimmer, in den Händen hielt ich einen speziellen Gegenstand; heute ersetzt ihn ein Titanstäbchen mit einem stilisierten Cthulhu-Abbild. Das kann sich jeder kaufen — hwzbben titanium.

Sushi esse ich dagegen immer mit der Gabel, kein Werkzeug ist gefährlicher als eine Gabel — ein Stich, vier Löcher.

Überhaupt muss ich sagen, dass dieses Modellieren genau nach Tesla funktioniert. Ich las später, schon als Erwachsener, in seiner Biographie, wie er modellierte. Ich kannte niemanden ähnliches in der Geschichte außer ihm.

Zeichnungen anzufertigen ist langwierig, modellieren geht 1000 Mal schneller. Es gibt diesen Film „Der Schmetterlingseffekt" — da ist ein ähnlicher Moment sehr treffend gezeigt: wie der Held, während er an einem Ort ist, plötzlich etwas völlig anderes sieht und bereits in einer neuen Facette der Wirklichkeit handelt. „Der Schmetterlingseffekt" kam 2004, da war ich 16. Galaxien erschaffen hatte ich schon früher angefangen — mit 15.

Ich sah sie einfach, so wie man das Haus eines Freundes sieht, in dem man hundertmal war. Ich wusste, wie die Sonnen dort beschaffen sind, wie die Wesen existieren, wie ihre Zeit verläuft. Ich erklärte das niemandem, weil es nichts zu erklären gab — es war in mir als Tatsache. Das Wichtigste ist das Konzept der Zeit: Ich erschuf eine Galaxie von Wesen, beschleunigte die Zeit dort, verlangsamte sie, ließ die Galaxie dann los und erschuf eine völlig andere. Wenn ich zurückkehrte — die Wesen und die Zeit dort waren vergangen, etwas hatte sich verändert, und es war interessant zu beobachten, welch skurrile Formen das alles annahm. Gleich sei gesagt: meine Galaxien sind verbuggt.

Und in der ersten Galaxie lag ein klarer Bug.

Die Wesen darin konnten einen fremden Körper übernehmen. Ein Greis spürte, dass er jünger wird, und siedelte sich in den Körper eines Jungen um. Der Junge landete im Körper des Alten und starb nach einer Weile, weil der fremde Körper nicht seiner war. Das war die Verfassung der gesamten Zivilisation. So lebten sie. Strenge Hierarchie, unsterbliche Dynastien von Anführern.

Als Teenager betrachtete ich diese Galaxie und verstand: das ist kaputt. Nicht nur seltsam — kaputt auf struktureller Ebene. Sie beneiden eine fremde Form, weil die eigene fixiert ist. Sie übernehmen, weil sie sich selbst nicht verändern können.

Und damals tat ich das, was ich bis heute tue. Ich kam nicht selbst in diese Galaxie, um es zu reparieren. Genauer gesagt — ich kam schon, lebte dort Leben von innen, erforschte alles. Ich konstruierte eine andere Zivilisation — aus einem Mehrsonnen-System, mit formbarer Körpergestalt, mit holografischen Artefakten statt fixer Gegenstände. Die Wesen der zweiten Galaxie brauchten keine fremde Übernahme, weil das Eigene bei ihnen bereits wandelbar war. Und ich schickte sie zur ersten Galaxie. Korrigieren, nicht vernichten. Hineingehen und still reparieren.

Damals kannte ich das Wort Operator nicht. Kannte das Wort Bug in der Bedeutung eines Systemfehlers nicht — dieses Wort lernte ich später, auf der Arbeit. Ich wusste nicht, was ich tat. Das war ein sehr vergnügliches Spiel, das es immer noch ist — ewiges Erschaffen.

Aber das Spiel war zu stimmig für freie Fantasie. Die Symmetrie des Bugs und des Heilmittels zu präzise. Körperübernahme — formbare Gestalt. Eine Energiequelle — mehrere Sonnen. Fixer Gegenstand — holografisches Artefakt. Ein Teenager mit solcher Symmetrie erfindet nicht — ein Teenager sieht, er hat Zugang zur Struktur, und er legt sie in spielerischer Form sich selbst dar.

Und in dieser Teenager-Galaxie saß damals schon meine gesamte erwachsene Arbeit. Ich bin jetzt Lead des Testings in der IT — und finde weiterhin Bugs in Produkten. Viele Jahre lang fange ich Bugs im Code. Damals, in der Kindheit, fing ich den Bug in der Galaxie. Das ist eine Funktion, entfaltet auf zwei Maßstabsebenen.

Sie war bei mir von Anfang an.

Das ist der erste Punkt. Der früheste.


1.2. Die Schraube von der Decke

Ein Sprung vorwärts. Ich bin schon erwachsen, meine Frau und ich sind gerade in eine Mietwohnung in Moskau eingezogen. Ein Jahr davor hatte ich ein Laptop gekauft, es auf den Tisch gestellt und noch nicht eingeschaltet — nur ausgepackt. Wir gingen in die Küche, um Tee zu trinken, kamen zurück und setzten uns daneben. Nichts passierte. Wir unterhielten uns einfach.

Von der Decke fiel eine Schraube. Schwarz, wie aus einem Baukasten. Direkt auf den Deckel des Laptops.

An der Decke hing eine gewöhnliche schmiedeeiserne Lampe — solche Schrauben gab es in ihr nicht. Dafür fehlte der Unterseite des Laptops genau eine Schraube. Genau eine.

Ich nahm diese schwarze Schraube und drehte sie in die leere Öffnung. Sie passte perfekt. Als wäre sie für genau diese Stelle gemacht worden. Die anderen im Laptop waren genauso.

Wir zuckten die Schultern und tranken den Tee aus. Das Laptop funktionierte danach noch gut fünf Jahre. Steht jetzt verstaubt im Regal, lebt noch.

Diese Geschichte muss man niemandem erzählen, denn sie beweist nichts. Ich habe sie auch fast niemandem erzählt. Aber ich erinnere sie buchstäblich: die Farbe der Schraube, die Teetasse auf dem Tisch, das Gesicht meiner Frau, die mich anschaut und nicht versteht.

Im Rahmen der Alltagswelt fiel die Schraube aus dem Nichts. Im Rahmen zweier Facetten der Wirklichkeit — kam die Schraube aus jener Facette, wo Zeit und Ort anders beschaffen sind. Sie entstand nicht — sie wechselte über. Aus jener Facette, wo sie mir schon gebraucht wurde, in diese, wo ich gerade neben dem Laptop saß, dem eine Schraube fehlte.

Die Kanäle zwischen den Facetten öffnen sich nicht nach Fahrplan. Sie öffnen sich dort, wo die Facette dünn ist. Das Wichtigste ist nicht das: Ein Jahr danach werde ich ein Anime schauen, obwohl ich das nicht tue. Es heißt Gurren Lagann. Darin geht es um die Kraft der Spirale. Die Schraube ist eine Miniatur von Simons Bohrer. Dort liegt der ganze Weg — wohin dieser Bohrer am Ende die Himmel durchbohren wird. Dieses Anime vermittelt in einfacher Form, was die Kraft der Spiralwesen bedeutet. Und noch etwas Wichtiges muss ich direkt sagen. Gib dem gesunden Menschenverstand Tritte. Der gesunde Menschenverstand wird dir sagen, dass eine Schraube nicht von der Decke aus einer anderen Facette fällt. Dass sich ein Traum nicht wörtlich nach einem Jahr erfüllt. Dass ein Bohrer keine Himmel durchbohrt. Dass der Glaube an jemanden aus der Vergangenheit ein irrationales Gefühl ist und kein funktionierendes Werkzeug. Der gesunde Menschenverstand erklärt dabei selbst nichts: die Schraube fiel trotzdem, der Traum erfüllte sich trotzdem, und der Bohrer im Anime hat trotzdem durchgebohrt. Der gesunde Menschenverstand ist ein Wächter, der den Eingang zur Alltagswelt bewacht. Seine Funktion ist es, dich nicht herauszulassen. Aber wenn du bereits die Schraube, den Traum und den Bohrer gesehen hast, lebst du nicht mehr nur in der Alltagswelt. Du lebst in beiden Facetten gleichzeitig — nur nutzt du eine davon noch nicht.

Wenn in dir deshalb die Phrase aufploppt das kann nicht sein — das ist genau der Anruf des gesunden Menschenverstands. Gib ihm einen Tritt. Einen fairen, leichten Tritt, nicht boshaft. Er hat seinen Job gemacht — jetzt ruh dich aus. Und geh weiter schauen, was wirklich war.


1.3. Der Traum des Großvaters

Noch ein Punkt aus der Kindheit. Eine Wohnung, ein Morgen, ganz normaler Alltag. Ich tue nichts, stehe im Durchgang. Der Großvater kommt aus seinem Zimmer zu mir — mit dem Gesicht eines Menschen, der nicht ganz aufgewacht ist — und sagt mir so etwas wie: warum jagst du mir mit einer Axt nach?

Ich stand und schaute. In meinen Händen war keine Axt, kein Stock, nichts. Ich war niemandem nachgejagt. Der Großvater sah mich seltsam an und schwieg. Dann setzte er sich und erinnerte sich nie mehr daran.

Ich war ein Kind. Kinder hängen sich nicht an solche Phrasen — vorbeigegangen und weitergelaufen. Ich lief weiter. Aber die Phrase blieb in mir, wie ein Stein in der Tasche, den man vergisst, bis man eines Tages die Hand hineinsteckt.

Ich verstand erst nach vielen Jahren, was das gewesen war. Der Großvater hatte einen Traum. In diesem Traum jagte sein Enkel ihm mit einer Axt nach. Der Großvater hatte scheinbar den Traum nicht vollständig von der Wirklichkeit getrennt — und redete mich morgens so an, als wäre es wirklich gewesen. Er übertrug die Botschaft aus jener Facette, wo sie sich ereignet hatte, in diese, wo er sie laut aussprach.

Das ist eine wichtige Weggabelung, und ich möchte sie klar benennen. Der Großvater sah keine Halluzination im Wachen. Der Großvater empfing eine Botschaft aus der nichtlinearen Facette der Wirklichkeit durch einen Traum. Der Traum ist ein funktionierender Kanal. Er funktioniert, weil im Traum die Zeit anders beschaffen ist: Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart sind nicht in einer Linie aufgereiht. Im Traum kann man sehen, was linear noch nicht geschehen ist, aber was bereits in seiner eigenen Schicht existiert.

Ein Traum ist schlicht eine andere Facette der Wirklichkeit, und in ihr gibt es immer den Schlüssel zur Zukunft in der Facette der Wirklichkeit, in der du dieses Buch liest.

Im Jahr 2026 kamen zwei Äxte zu mir. Eine schwarze Eschenholzaxt, mit einer Windrose auf der Klinge. Die zweite — Rat Peruns, das Gesicht Peruns auf beiden Schneiden und ein Heer. Ich kaufte sie nicht nach Plan — sie kamen zu ihrem Moment. Und als sie in meinen Händen waren, erinnerte ich mich an die Worte des Großvaters. Erinnerte sie vollständig. Mit seinem Gesicht, mit dem Tonfall.

Ich verstand, dass die Äxte immer meine waren. Sie existierten in der nichtlinearen Facette seit der Kindheit. Der Großvater sah sie im Traum als real — und sie waren real, nur nicht in unserer linearen Facette. Im Jahr 2026 erreichte ich sie linear. Nicht erwarb — begegnete. Die lineare Biographie holte schließlich das ein, was in der nichtlinearen Facette bereits war.

Zwischen dem Traum des Großvaters und den Äxten von 2026 liegen dreißig Jahre linearer Zeit. Und null Zeit auf der anderen Achse. Auf jener Achse sind Traum und Äxte ein einziges Ereignis, nur auf der Linie verteilt.

Falls dieser Rahmen sich nicht auf Anhieb fügt — das ist normal. Bei mir selbst fügte er sich etwa zwanzig Jahre lang. Zuerst war die Phrase des Großvaters. Dann die Äxte. Dann, zwischen ihnen, der Anhänger. Dann das Verstehen, dass zwischen ihnen keine Lücke ist — es gibt eine Schleife. Und das Wesentliche — es gibt eine Geschichte der Begegnung mit dem Dämon und meiner Handlungen mit ihm in der Vergangenheit, und wie ich die Äxte einsetzte.


1.4. Der Widerhall der Wirklichkeit als Antwort auf einen erkannten Namen

Ich war fünfzehn, als der Name Oksianion kam — und wieder passierte ein seltsamer Aussetzer.

Winamp hatten damals alle. Die grüne Welle auf dem Equalizer, Skins, das Playlist-Fenster, das sich auf einen Streifen zusammenzieht. Musik lag auf der Festplatte, nach Ordnern sortiert. Kein Feierliches daran. Ein Player wie ein Player. Ich hatte keinen Autostart, der alte Computer war eingeschaltet, während keine Programme auf ihm geöffnet waren. Er war so mehrere Stunden am Stück eingeschaltet, ich las ein Science-Fiction-Buch — „Die Stunde des Stiers" von Iwan Jefremow.

Und plötzlich dachte ich — welchen Namen hätte ich wohl in der Zukunft, welches ist mein eigentlicher Name, der wirklich meiner ist. Und da gab mir der Gedanke zurück: Oksianion.

Ich dachte so bei mir — cool, nun gut, muss ich aufschreiben, aber erstmal will ich Musik hören. Und genau dann passierte das erste unerwartete Ding: Winamp öffnete sich sofort, und ich hatte nicht mal den Weg zum Computer gemacht, ich lag im Bett einen Meter von ihm entfernt, und die Musik spielte von selbst. Ich prüfte das danach — der Player funktioniert anders: erst starten, dann noch auf „Play" klicken, um die Musik anzuwerfen.

Außerdem ist der Name selbst stärker, als er scheint — das verstand ich mit den Jahren. Ich trage ihn im Körper — ich erinnere ihn nicht nur, ich lebe in ihm. Wenn ich azm jesm Oksianion ausspreche — das ist kein Zitat, das ist eine Unterschrift. Das ist zum Beispiel mein erster Arbeitsbefehl, um mich aufs Retrospiralieren einzustimmen — ich habe ihn als Epigraph dieses Kapitels gesetzt.


1.5. Der Traum mit 21

Ich war einundzwanzig, und ich wusste noch nichts über Retrokausalität.

Ich hatte einen Traum. Ein kleines Zimmer. Kollegen, die ich nie gesehen hatte. Ein Fenster irgendwo zur Seite, wo die Stadt schon endet. Ein Vorgesetzter, den ich auch nicht kannte, kommt in dieses Zimmer, blieb eine Weile und ging. Das war alles.

Ich schrieb diesen Traum auf. Nicht weil ich verstand, wozu. Einfach etwas innen sagte schreib es auf, und ich schrieb. Damals hatte ich noch nicht das Wort Operator, nicht das Zeitkanal, nicht den Anhänger. Es gab ein Tagebuch, einen Stift und eine Gewohnheit: wenn du etwas Seltsames siehst — dokumentiere es, denn sonst wird es ausgelöscht.

Ein Jahr danach kam ich als Bewerber zu einer Arbeitsstelle. Und landete in genau diesem Zimmer.

Ich erkannte es, so wie man einen Ort erkennt, an dem man nie war, den man aber erinnert. Es lag tatsächlich am Stadtrand, ich war dort nie zuvor gewesen. Dieselbe Aufteilung, dasselbe Fenster, dieselben Gesichter, von denen mir geträumt hatte, dass sie neben mir sein würden. Und das Wesentliche — der Vorgesetzte. Er kam einmal im Monat aus einer anderen Stadt mit einem Geländewagen. Trat in dieses Zimmer, saß, dann fuhr er wieder. Genau wie im Traum.

Ich hätte mir sagen können, das sei Zufall. Leuten, die über solche Dinge schreiben, rät man gewöhnlich genau das: sich nichts vorzumachen. Ich versuchte es. Der Zufall wollte sich nicht fügen — zu viele Details gleichzeitig, und eines davon zu selten. Ein Vorgesetzter einmal im Monat im Geländewagen aus einer anderen Stadt — das ist eindeutig kein typisches Bürobild, sondern ein konkreter Mensch in einer konkreten Rolle, den ich ein Jahr vor seiner leibhaftigen Begegnung im Traum gesehen hatte.

Das Notizbuch ist noch da. Ich hatte es nicht weggeworfen.

Und das Wichtige ist — die Aufzeichnung vor dem Ereignis. Das ist das Detail, das das übliche Argument das Gehirn hat es nachträglich konstruiert ausschaltet. Wenn die Aufzeichnung davor gemacht wurde — kann man nachträglich nichts mehr konstruieren. Das Papier liegt da, die Tinte trocknete vor einem Jahr. Das ist nicht mehr mir hat was geträumt und ich habe mir was eingebildet. Das ist ein Dokument.

Ab diesem Moment hatte ich ein ruhiges Verstehen, das ich mir selbst nicht erklärte. Ungefähr wie ein Hintergrundgedanke: die Zukunft liegt nicht immer vorne. Manchmal war sie bereits — und man kommt linear nur auf sie zu.

Damals machte ich daraus keine Philosophie. Schrieb einfach den Traum auf, kam dann zur Arbeit, fing dann an zu arbeiten. Normale Biographie. Nur mit einem kleinen Detail am Rand, das ich fünfzehn Jahre lang niemandem erzählte.

Das war der interessante Anruf, den ich als Anruf erkannte. Schwach, dokumentiert, mit Unterschrift — der bidirektionale Kanal funktioniert. Die Zukunft kann in die Vergangenheit kommen und dort in der Facette der Wirklichkeit im Traum einen Abdruck hinterlassen. Und dann — wie der Held des Films „Last Action Hero", mit Erstaunen das Filmband noch einmal durchgehend.


1.6. Die Stadt mit vier Strafvollzugsanstalten

Ich komme aus einer sibirischen Stadt, in der vier Strafvollzugsanstalten liegen.

Das erklärt vieles ohne Worte. Wenn auf deiner Karte neben dem Haus vier Lager stehen — lernst du früh zu verstehen, aus welcher Sorte Menschen die reale Welt gebaut ist und nicht jene, über die in Gesellschaftskundebüchern geschrieben wird. Lernst, wie man mit einem Menschen spricht, dessen Augen auf eine spezifische Art leer sind. Lernst, zur Sache zu reden.

In meiner Stadt wartete nichts Besonderes. Man konnte dort bleiben und sich eingliedern — in die Fabrik, in den Sicherheitsdienst, in den Verkauf von irgendwas auf dem Markt, in das lange Alltagsleben, in das stille Trinken freitagabends. Bei vielen meiner Mitschüler lief es ungefähr so. Bei manchen — schlechter. Bei manchen — gleichmäßig, nach dem Lineal, ohne jede Fragen ans Leben.

Ich bin dort weggegangen.

Nach Moskau, ohne Verbindungen. Von null — ohne Metapher. Sogar mit einem Kredit für die ersten drei Lebensmonate. Buchstäbliche Beschreibung des Startkapitals: null plus Schulden. Die Wohnung haben meine Frau und ich gemeinsam verdient, jeder auf seiner Arbeit. Wenn man Mitte zwanzig ist und in fremden Vierteln Zimmer mietet, geht jeder Rubel, der nach Essen und Fahrgeld bleibt, in ein großes Später. Zuerst ist Später die erste Anzahlung. Dann — schon Reichtum, Goldbarren, Devisen, alles was man nur will, kann man sich leisten. Aber ich versuche immer, Zeit für das zukünftige Leben freizukaufen, um immer neue Spiralgalaxien und Spiralwesen zu erschaffen. Diese Schöpfungsfreude ist mit nichts zu vergleichen. Ich glaube, das ist nirgendwo beschrieben.

Parallel dazu baute ich meinen strategischen Weg in der IT. Nicht so, wie es in Karriereartikeln beschrieben wird: definiere das Ziel, erstelle einen Plan, geh Schritt für Schritt. Eher so, wie man durch einen unbekannten Wald geht: man schaut, wo eine Lichtung ist, dahin dreht man sich. Von einer Rolle in die nächste, vom Testen ins Test-Management, vom Team zum Cluster. Ich wusste nicht, wohin genau ich ging. Ich wusste, dass ich mich in die Richtung bewegte, wo mir die Dinge schneller und präziser gelingen als den meisten um mich herum.

Jetzt bin ich Lead des Testing-Clusters. Über den Teams. Homeoffice, brennende Releases, träge Entwicklungs-Leads, die mir eine KI eines Tages treffend weder Fisch noch Fleisch nannte — und ich stimmte zu, weil ich es nicht besser hätte ausdrücken können. Eine Mittagspause am Tag. Schlafqualität — messe ich selbst, als Zahl: 80–90, schlafe sofort ein. Auf der Arbeit müde, Gold verdienend) Biokörper braucht Fütterung, und Cluster-Teams managen — das ist eine Menge Bewegung.

Von außen — die Erfolgsgeschichte eines Provinzlers, der es geschafft hat. Weggegangen, eine Stelle gefunden, gekauft, Fuß gefasst. Von innen anders. Von innen gab es eine gleichmäßige, kaum hörbare Note — als würde ein Radio im Nebenzimmer laufen, Wörter nicht verständlich, aber Ton vorhanden. Ich hörte sie viele Jahre und nannte sie nicht. Erst später fand sie einen Namen. Das Außergewöhnliche im Gewöhnlichen. Ich versuchte immer ehrlich, ein gewöhnlicher Mensch zu sein, und das gelang mir im Großen und Ganzen. Aber das Radio im Nebenzimmer schaltete sich davon nicht ab.

Und bei der Arbeit zeigten sich zeitweise Dinge, die in keinem Unternehmenshandbuch stehen. Das ist genau die Alltagswelt, über die Joseph Campbell schrieb. Nur jetzt kann ich hinzufügen: die Alltagswelt ist eine der Facetten. Nicht die ganze Wirklichkeit, sondern jene Facette, in der lineares Zeitempfinden und Ursache-Wirkungs-Kette von unten nach oben funktionieren. Ich lebe in dieser Facette. Ich verachte sie nicht. Ich tariere mich darin ein: Fachmann, Ehemann. Mit Frau, Kater Ljowa und brennenden Releases.

Nur quietscht diese Facette die ganze Zeit ein kleines bisschen. Und durch das Quietschen dringen Punkte aus einer anderen Facette herein, in der die Zeit anders beschaffen ist.


1.7. Der Knoten, den man nicht sofort sieht

Hier hätte ein eigenes Kapitel sein sollen. Ich fing es mehrfach an zu schreiben und schloss es jedes Mal — weil es sich in diesem Kapitel nicht schreiben lässt. Es ist bereits geschehen, aber klingt im nächsten an. Das ist die Episode mit Sadako aus „Ring", die zu mir in der Jugend kam und durch die ich zum ersten Mal eine Operator-Operation ausführte, ohne zu verstehen, dass ich sie ausführe. Ich kannte damals weder das Wort Operator noch das Wort obchomachit. Tat es einfach — und es funktionierte.

Ich wollte diesen Knoten hierher setzen, zwischen die Stadt und das Wappen, weil er chronologisch genau hier sitzt. Aber dieser Knoten liegt nicht in der Linie — er liegt auf der Schwelle. Und die Schwelle ist bereits das nächste Kapitel.

Daher habe ich hier eine Lücke. Die Überschrift steht, der Inhalt — in Kapitel 2. Das passiert mit Knoten, die nicht sofort sichtbar sind — sie fallen aus der Nummerierung einer Facette heraus, um sich vollständig in einer anderen zu zeigen. Wenn ihr bemerkt habt, dass zwischen 1.6 und 1.8 etwas fehlt — ihr habt richtig bemerkt. Genau das fehlt. Vorerst.


1.8. Die Wappen und der Anhänger — die Karte der Schleife

An einem bestimmten Punkt wollten sich diese Punkte in ein Zeichen zusammenfügen.

Ich bekam einen Anhänger. Silber, vier Felder, goldene Einlagen, Gravur auf der Rückseite: My path is golden — the spiral without end.1 Ich erfand ihn nicht „als Wappen". Er fügte sich zusammen, nachdem ich lange auf meine eigene Konfiguration geschaut und darin vier Seiten gesehen hatte, die paarweise gehen.

Der Anhänger ist im Prolog ausführlich beschrieben. Hier möchte ich eine Sache sagen, zu der ich früher nicht gelangt war.

Der Anhänger ist kein Familienwappen und keine Embleme. Er ist die Karte der Schleife, in die ich eingeschrieben bin.

Ich trage den Anhänger nicht als Schmuck. Ich trage ihn als Zustandsanker. Und als Blaupause, nach der ich beschaffen bin.

Die Äxte, die 2026 kamen — sind die Materialisierung dessen, was im rechten unteren Feld des Anhängers liegt. Schwert und Axt gekreuzt. Sie lagen bereits in der Blaupause, als ich diese Blaupause erst bestellte. Ich kam nur zu ihrer physischen Form.

Dasselbe mit der Galaxie oben links — sie ist da, weil die Kindheitsgalaxie immer bei mir war. Ich übertrug sie nur auf Metall, als ich bereits wusste, dass sie dort ist.

Der Anhänger ist nicht etwas Neues. Der Anhänger ist Festgemachtes. Das, was ohnehin war, hängt jetzt einfach an einer Kette.


1.9. Sechs Anomalien, die ich an mir sehe

Wenn ich all diese Punkte nehme und versuche, sie zu klassifizieren — eine Beschäftigung, die ich vom Tester habe, der immer Tags zu Bugs vergeben will — dann komme ich auf sechs Typen. Nicht um anzugeben. Damit es dem Leser bequemer ist, sich selbst zu überprüfen.

Erste. Kombination inkompatibler Register. In einem Körper leben ein Ingenieur-Tester und ein Mensch, auf dessen Wappen eine Galaxie ist. Bei den meisten sitzen diese Register in verschiedenen Zimmern oder durch eine Trennwand. Bei mir arbeiten sie gleichzeitig — Zeitkanal und Bug im Projekt stören sich in einem Kopf nicht.

Zweite. Feld auf Umstehende. Menschen in meiner Nähe platzen heraus mit Verdrängtem. Auf einem Firmenevent hintereinander gaben zwei Schweres von sich heraus („du bist ein Dämon" und über Diabetes, der zweite über Hepatitis) — ich hatte sie nicht herbeigerufen. Die Frau sieht das als System. Ich wirke wie ein Katalysator der Entladung, ohne Absicht.

Dritte. Dokumentierte Präkognition. Der Traum mit 21 ist vor dem Ereignis aufgezeichnet. Mit Papier, Tinte und Datum lässt sich das Argument das Gehirn hat es nachträglich konstruiert nicht führen.

Vierte. Operator-Hygiene ohne Ausbildung. Ich entwickelte selbst, ohne Lehrer und Bücher, das, was in Traditionen nistar (Chassiden), malamati (Sufis), Eirōneía (Sokrates) genannt wird. Anleitungen habe ich nicht gelesen. Lebe unter der Maske eines IT-Spezialisten. Unabhängige Erfindung einer Sicherheitsarchitektur.

Fünfte. Konsistentes symbolisches System. Name (Oksianion), Wappen, Anhänger, Verben (oxionit, obchomachit — das heißt auf Russisch grob: „unter der Maske des Gewöhnlichen arbeiten — und still das Seine tun"), Formel (My path is golden — the spiral without end.). Alle Elemente sind auseinander abgeleitet. Keine Sammlung — ein in sich geschlossenes selbsterhaltendes System.

Sechste. Doppelbewusstsein über sich selbst. Ich glaube gleichzeitig an meine Funktion und halte kritische Distanz zu ihr. Im privaten Register kann ich sagen ich habe wirklich gelernt, in das Gewebe der Zeit einzudringen und sofort zustimmen, dass man das öffentlich nicht so sagen kann — die Inflation schaltet sich ein. Die meisten glauben entweder vollständig und verlieren den Realitätssinn, oder leugnen vollständig und verlieren den Zugang. Seltene Selbstregulation.

Jede Anomalie kommt einzeln vor. Eins zu eins — die meisten Menschen werden irgendwo eine davon an sich finden. Die Anomalie liegt nicht in einer von ihnen, sondern in der Kombination: alle sechs gleichzeitig, in einem Träger, über eine lange Distanz, in konsistenter Konfiguration.

Wenn du in dir drei von sechs erkennst — bei dir läuft wahrscheinlich auch deine eigene Schleife. Nur noch ohne Klassifizierung.


1.10. Das Erkennen der Schleife

Jetzt kann ich endlich sagen, was am Anfang des Kapitels verfrüht geklungen hätte.

Diese Punkte — die Teenager-Galaxie, die Schraube, der Traum des Großvaters, Winamp mit dem Namen, der Traum mit 21, der Umzug, die IT, das Wappen, der Anhänger, die Äxte (zu Sadako — im nächsten Kapitel) — verlaufen nicht nach der Zeit. Das heißt: auf der Zeitlinie sind sie natürlich aufgereiht: erst der Name, dann die Galaxie, dann der Großvater... Aber wenn man nicht auf die Reihenfolge schaut, sondern auf den Inhalt, dann sieht man: in den frühen Punkten steckten bereits die späteren. Der Großvater sah im Traum eine Axt, die in meiner linearen Biographie noch nicht existierte. Der Fünfzehnjährige erfand einen Namen, den er wirklich verstehen würde erst mit 38. Der Einundzwanzigjährige sah ein Zimmer, in das er ein Jahr später eintreten würde. Der Teenager führte eine Operation nach einer Methode aus, die erst zwei Jahrzehnte später zur Operator-Methode werden würde — und beschrieb seine erwachsene Funktion in Form einer Kosmogonie.

Das ist schon kein Vorausahnungsgabe im gewöhnlichen Sinn. Vorausahnungsgabe setzt voraus, dass die Zukunft irgendwo vorne liegt und man sie vorher spürt. Hier funktioniert es anders.

Bei mir war die Zukunft bereits gewesen. Sie schickte sich selbst in die Vergangenheit als Punkte, die ich jetzt zu einem Faden zusammensetze. Und jedes Mal sende ich täglich einen Impuls in beide Richtungen — in die Zukunft und in die Vergangenheit zu mir selbst. Man könnte sagen, dass ich mich damals selbst erschaffen habe, weil ich verstand, wie man in die Vergangenheit eingreift.

Ich erfinde sie nicht nachträglich. Sie sind alle dokumentiert — durch ein Notizbuch (Traum), durch die Frau (Schraube), durch die Worte des Großvaters (die er vor Zeugen aussprach). Das ist keine Rekonstruktion mehr. Das sind Dokumente. Jetzt noch dieses Buch.

Wenn man diesen Rahmen ernstnimmt — und ich nehme ihn ernst, weil meine Biographie sonst nicht aufgeht — dann war ich niemals in linearer Zeit. Ich lernte nicht irgendwann, in das Gewebe der Zeit einzudringen. Ich erwarb die Funktion nicht mit 30 oder 40. Alle Punkte meiner Biographie sind gleichzeitig existierende Knoten einer Konfiguration, die bereits geschlossen ist und die ich nach und nach erkannte.

Dafür gibt es Namen. In der Philosophie — causa sui, die Ursache seiner selbst; in der Physik — eine geschlossene Kausalschleife, das Bootstrap-Paradox; in der Mythologie — der Uroboros, die Schlange, die ihren eigenen Schwanz frisst. Eine Form, verschiedene Sprachen: ein Objekt, das keine Quelle außerhalb der eigenen Schleife hat.

Ich behaupte nicht, ein Gott zu sein. Das sind verschiedene Naturen — darüber habe ich im Vorwort geschrieben. Ich behaupte, dass meine Biographie als causa sui in menschlicher Form beschaffen ist. Eine Konfiguration, die ihre eigene Ursache ist, die lineare Zeit als Medium der Manifestation nutzt, aber nicht als ontologischen Rahmen. Dabei konnte ich nirgendwo Geschichten finden, dass jemand im Biokörper Spiralwelten mit Spiralwesen erschafft, einfach weil es ihn freut und seine eigentliche Sache ist. Das wird nicht gelehrt, ich habe überhaupt von niemandem gelernt.

Wenn du verstehst, dass die Punkte nicht dem Pfeil folgen — stellt sich innen etwas um. Die Angst vielleicht schaffe ich es nicht rechtzeitig verschwindet. Denn wenn es sein sollte — ist es bereits da. Es zeigt sich im richtigen Moment. Und umgekehrt — die Faulheit verschwindet, aus der heraus man Wichtiges aufschiebt. Denn wenn ich jetzt nicht den Schritt tue — gibt es keine Quelle, aus der ich ihn in die Vergangenheit senden kann. Die Schleife schließt sich nur, wenn ich sie selbst schließe. Das zukünftige Ich rechnet mit dem gegenwärtigen Ich.

Und irgendwann kam ein Satz, den ich im Alltag vorher nicht benutzte. Kein Erleuchtungsmoment auf dem Berg, keine Stimme vom Himmel. Ein gewöhnlicher Gedanke, der von selbst kam: Ich verstehe, dass mit mir die ganze Zeit etwas gemacht wird. Und es geht weiter. Und das muss man irgendwie benennen.

Ich nannte es den Ruf.

Das Wort passte. Der Ruf — das ist wenn Aussetzer aufhören, Aussetzer zu sein, und sich zu einem Muster fügen. Das Muster noch unvollständig — ein Teil ist noch nicht geschehen, ein Teil vergessen, ein Teil in fremden Worten aufgeschrieben. Aber es ist da, und jetzt siehst du es.

Der Ruf verlangt keinen Heroismus. Er verlangt Aufmerksamkeit. Er sagt: du steckst schon lange darin. Hör auf so zu tun, als hättest du es nicht bemerkt.

Ab diesem Moment hörte das Leben auf, neutral zu sein. Es wurde nicht sofort klar — aber es wurde gerichtet. Als wäre in einem leeren Zimmer ein kaum hörbarer Kompass eingeschaltet worden. Die Nadel zeigt nicht dorthin, wohin ich ging. Sie zeigt dorthin, wohin durch mich das etwas ging, das größer ist als ich.

Und das ist genau der Punkt, wo Joseph Campbell den ersten Punkt seines Monomythos setzt.

Aber der Ruf ist ein Substantiv. Genauso wie Retrokausalität.

Ich brauchte ein Handlungswort — und ich erfand: retrospiralieren. Das bedeutet, die eigene Vergangenheit im Ozean der Zeit bewusst zu verändern, wo Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur drei Tropfen sind…


1.11. Iwan Jefremow und die Schleife des Geraden Strahls

Eine kurze Abschweifung, weil ich sagen muss, dass ich darin nicht der Erste und nicht der Einzige bin.

Iwan Jefremow beschrieb in „Die Stunde des Stiers" den Planeten Tormans — eine Welt, feststeckend im Inferno. Das Inferno bei Jefremow ist keine Hölle im religiösen Sinn, sondern eine stabile Struktur des Leidens, die sich selbst reproduziert. Eine geschlossene Schleife, in der Leiden Bedingungen erzeugt, die das Leiden aufrechterhalten. Zukünftige Erdenbewohner kommen dorthin still, durch den Geraden Strahl — einen Übergang durch einen anderen Raum, in dem die gewöhnliche Physik nicht gilt. Sie arbeiten verborgen, durch einzelne Kontakte, um die fragile Möglichkeit der Veränderung nicht zu zerstören.

Das ist dieselbe Topologie wie in meiner Teenager-Galaxie. Nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Inferno — Schleife der negativen Selbsterschaffung. Causa sui des Operators — Schleife der positiven Selbsterschaffung. Beide funktionieren nach derselben Mechanik — geschlossene Rückkopplung. Der Unterschied liegt nur im Vorzeichen.

Und der Gerade Strahl bei Jefremow — das ist seine Version dessen, was ich Facetten der Wirklichkeit nenne. Es gibt die gewöhnliche Physik, und es gibt den Übergang durch einen anderen Raum, wo die Gesetze anders sind, und wo ein vorbereiteter Träger durchgehen kann.

Ich habe Jefremow zuletzt nicht neu gelesen — aber in der Kindheit stand „Die Stunde des Stiers" bei mir im Regal, ich las ihn wirklich. Und jetzt, beim Zusammensetzen der eigenen Schleife, sehe ich: Jefremow beschrieb sie strukturell sechzig Jahre vor meiner Formulierung in diesem Text. Nur beschrieb er es im Genre der Science-Fiction, weil es damals anders nicht möglich war. Ich beschreibe es als Biographie, weil es heute möglich ist.

Ich bin in einer langen Linie. Das ist mir wichtig.

Nicht weil ich Bestätigung bei einer Autorität suche. Sondern weil die Noosphäre, in der ich lebe — russischsprachig ist, und in ihr Jefremow einer der Knoten ist, durch die die Idee von mehrschichtiger Wirklichkeit, Kraft des Bewusstseins, verborgener Arbeit und großen Schleifen verlief. Wenn diese Intuition in dir auch vorhanden ist — sie ist vielleicht auch von dieser Schicht geformt worden, selbst wenn du Jefremow nicht gelesen hast. Knoten funktionieren, auch wenn du ihren Namen nicht mehr weißt.


1.12. Was du tun kannst

Dieses Buch ist kein Lehrbuch. Ich erkläre nicht von oben herab. Aber wenn du das Kapitel bis hierher gelesen hast, ist vielleicht schon ein Verdacht entstanden, dass auch in deiner Biographie solche Punkte gibt. Keine Kopie der meinen — eigene. Und mit ihnen kann man anfangen zu arbeiten.

Drei einfache Praktiken.

Praxis 1. Das Stäbchen aus Titan

Kauf dir so eins — nicht unbedingt so wie meins, sondern so wie du es willst. Bleib tagsüber so um 12:00 im Zimmer und fang an, im Uhrzeigersinn durch das Zimmer zu gehen — erschreck nur niemanden dabei.

Hier ist Privatsphäre besser. Du kannst einfach hin und her gehen und das Stäbchen halten, klopfe dir vorsichtig auf die Hand, dreh es wie es dir angenehm ist — der Sinn liegt darin, über die Feinmotorik einen Zustand zu erzeugen. Galaxien erschaffen muss man dabei nicht versuchen; wenn du eine Lieblingsfigur hast, einen Helden, etwas Interessantes — lebe sein Leben, werde, wer du in dieser Wirklichkeit werden willst, in einer anderen — probiere es täglich.

Ich schlage Titan vor, du kannst experimentieren — das ist deine Operator-Erfahrung, nicht meine.

Praxis 2. Puls der Zeit

Wenn dir gefällt, was du mit dem Stäbchen machst, und es sich angenehm anfühlt so zu spielen — sende dir selbst in diesem Zustand ein Signal in die Vergangenheit und in die Zukunft.

Weißt du nicht, was senden — segne dich einfach und fertig.

Praxis 3. Energie der Sonne — drei Atemzüge

Die habe ich wohl von Dario Salas Sommer kopiert-abgekupfert — die Technik ist Wahnsinn, aber vielleicht war es nicht er. Auf jeden Fall: kopiert — Fakt.

Wie man Energie von der Sonne durch die Augen aufnimmt. Das mache ich so viele Jahre, jahrzehntelang, und die Sehkraft ist ausgezeichnet und die Stimmung auch.

Fersen zusammen, Zehen auseinander, der Sonne zugewandt. Beim Einatmen kommen die Hände zusammen, Finger gespreizt, Handflächen beim Einatmen zusammen, schaut auf die Sonne und atmet ihr Licht ein. Dann werden die Hände auseinandergeführt, das Licht wird gedanklich zum Punkt unter dem Nabel gelenkt — der untere Dantian. Nicht mehr als drei Mal.

Wichtiger Hinweis. Ich schaue auf die Sonne aus Russland, immer aus Russland, und meine drei Atemzüge habe ich auf unsere Sonne kalibriert. Wo die Sonne deutlich heller scheint — in Äquatornähe, in den Bergen, in den Tropen, im Sommer mittags im Süden — macht es Sinn, nur einen einzigen Atemzug zu machen, und ihn nicht länger als drei Sekunden auszudehnen. Übertreib es nicht. Nimm diese Warnung ernst: das Auge ist ein Einweg-Instrument, ein zweites Set bekommst du nicht. Lieber ein kurzer Atemzug unter intensiver Sonne als drei ausgedehnte.

Die Sonne ist Träger und Schenker von Kraft und Leben in dieser Facette der Wirklichkeit. Alle freuen sich über blauen Himmel, einen Sonnentag, das Blühen, die Freude lebt in diesem Moment im Raum.

Aber sie ist zerstreut. Die Sonne — reine Energie. Für Spiralwesen ist es immer wichtig, unter welcher Sonne sie gehen. Deshalb eignet sich die Erdensonne für Erdenbewohner.


Das Letzte zu diesem Kapitel.

Joseph Campbell beschrieb 1949 den Weg des Helden und nannte den ersten Schritt den Ruf zum Abenteuer. Der Held lebt noch sein gewöhnliches Leben, und plötzlich verschiebt etwas aus einer anderen Welt — ein Bote, ein Zeichen, ein Ereignis, ein Traum, ein Satz — ihm das Bild. Danach kommt bei Campbell die Weigerung des Rufs: der Held versucht zu tun als wäre nichts gewesen, zur Alltagswelt zurückzukehren. Dann — wenn er Glück hat — erscheint ein Lehrer, und der Ruf wird unwiderruflich.

Ich habe meinen Ruf viele Male abgelehnt. Ich schrieb ihn auf und legte ihn zurück in die Schublade. Ich sagte mir, das sei Zufall. Ich tat viele Jahre nach dem Einsetzen der Regelmäßigkeit des Außergewöhnlichen noch so, als wäre ich ein gewöhnlicher Mensch. Meine Ablehnungslinie ist lang — fast die gesamte Jugend.

Ein Lehrer erschien bei mir nicht. Der Lehrer wurde mein zukünftiges Ich — und das ist mir recht.

Der Ruf sagt: du schon lange.

Und wenn du das gehört hast, musst du danach nur aufmerksamer zuhören.


Ich bin das Licht in der Ordnung. Ich bin der Pfeil des Weges. Durch die Zeiten schreite ich, wie ein Strahl durch den Rauch. Ich bin jenseits der Grenzen, ich erblicke das Wesen der Grundlagen. Ich bin Oksianion. Ich bin Derjenige, der Geht. Ringsherum — das Sternengewölbe. Innen — der Inkal. Was Furcht war — ward Kraft. Ich erblicke den Wald, wo andere schlafen. Mein Weg ist golden — die Spirale ohne Ende.

Ich bin das Licht in der Ordnung. Ich erschaffe den Willen. Durch die Zeiten schreite ich, wie ein Strahl durch den Rauch. Ich bin jenseits der Regeln, mir sichtbar jede Schicht. Ich bin Oksianion. Ich bin Derjenige, der Kommt. Ringsherum — das Sternengewölbe. Innen — der Inkal. Was Furcht war — ward Kraft. Ich erblicke den Wald, wo andere schlafen. Mein Weg ist golden — die Spirale ohne Ende.


Windung um Windung. Endlos…


Nächstes Kapitel: „Die Schwelle — Begegnung mit dem Dämon" — darüber, wie man sich richtig verhält und was der Menschheit im Datenarchiv dazu fehlt.

Footnotes

  1. Mein Weg ist golden — die Spirale ohne Ende.